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FORSCHUNGEN IN ELIS / GRIECHENLAND

Das antike Elis (Provinz Elis) liegt im Nordwesten der Peloponnes und breitet sich im weiten, fruchtbaren Schwemmland am Südufer des Peneios aus. Als Hauptstadt der Landschaft Elis und aus dem engen Bezug zu den panhellenischen Spielen im benachbarten Olympia kommt der Stadt Elis eine überragende Bedeutung zu.
Gerade diese Bedeutung bildete den Hintergrund zur Entscheidung des ÖAI, in der Feldforschung von Elis ein repräsentatives archäologisches Großprojekt in Griechenland einzuleiten. In den 1910 von J. Keil und A. v. Premerstein begonnenen und von O. Walter von 1911-1914 fortgesetzten Feldforschungen erfolgte zunächst eine topographische Bestandsaufnahme der archäologischen Reste des weitläufigen Stadtgebietes. Mit der daraus resultierenden Entdeckung des öffentlichen Zentrums von Elis, d.h. der Agora und des benachbarten Theaters, entwickelte sich über eine systematische Flächengrabung die Freilegung und Untersuchung der Bebauung dieses öffentlichen Zentrums.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgenommenen Grabungen in Elis organisierten sich als ein Gemeinschaftsprojekt unter der Leitung der Griechischen Archäologischen Gesellschaft (N. Yalouris) mit Beteiligung der Zweigstelle Athen des ÖAI (V. Mitsopoulos-Leon). Diese von 1960-1981 durchgeführten Feldforschungen knüpften an die vorausgegangenen österreichischen Grabungen an und konzentrierten sich auf die Bereiche der Agora und des Theaters. Auf der Agora wurde die Grabung im Bereich der Südhalle fortgesetzt und lieferte entscheidende Befunde zur Stratigraphie und zum Grundriss der Halle. Die Theatergrabung erbrachte neue Aufschlüsse zu dessen baulicher Gestalt, besonders des Koilons. Tiefgrabungen in diesem Bereich erschlossen mit der Aufdeckung von 14 Gräbern aus dem 11. Jh. v.Chr. die Frühgeschichte von Elis in den 'Dunklen Jahrhunderten'. Hinweise zur privaten Wohnkultur lieferte die Freilegung von Resten hellenistischer und kaiserzeitlicher Wohnhäuser. Gräber aus der späten Kaiserzeit und die Reste einer frühchristlichen Basilika belegen die spätere Nutzung des Gebiets.
Wenn auch die gemeinsamen Feldforschungen ab 1981 eingestellt sind, so liegt Elis nach wie vor im archäologischen Forschungsinteresse des ÖAI. Daraus resultiert die von V. Mitsopoulos-Leon organisierte Bearbeitung des weitspektrierten Fundmaterials der älteren und jüngeren Ausgrabungen und die daraus gewonnenen Ergebnisse.
Zur Einschätzung der geschichtlichen und siedlungstopographischen Entwicklung von Elis in der Zeit vor der überlieferten Neugründung 471 v.Chr. sind für die Frühzeit die Analyse der Gräber und deren Fundmaterial aus den 'Dunklen Jahrhunderten' (B. Eder) und für die geometrische und archaische Epoche die Auswertung archäologischer Dokumente (B. Eder, V. Mitsopoulos-Leon) sowie epigraphische Zeugnisse (P. Siewert) heranzuziehen. Demzufolge ist in Elis im Unterschied zur antiken Überlieferung bereits ab dem 11. Jh. v.Chr. eine kontinuierliche Siedlungsentwicklung bis in das 5. Jh. v.Chr. greifbar, für welche sich bereits lange vor der sog. Neugründung als Hauptstadt eine politische Dominanz im Sinne eines Zentralortes der Landschaft Elis abzeichnet.
Für die weitere Entwicklung der Stadt ist die Aufarbeitung der Befunde und Funde des spätklassischen und hellenistischen öffentlichen Zentrums maßgeblich. Studien zu den Baubefunden ermöglichen die Einschätzung der architektonischen Gestalt und Entwicklung der Agora und des Theaters in hellenistischer Zeit. Die Analyse des Fundmaterials liefert neben entscheidenden chronologischen Ansätzen vor allem die Einbindung der materiellen Kultur von Elis in ihre überregionalen Zusammenhänge.
Die architektonischen Studien konzentrierten sich auf Fragen zur Form und Einordnung der Südhalle (V. Mitsopoulos-Leon) und des Theaters (F. Glaser, V. Mitsopoulos-Leon). Bei den Materialstudien handelt es sich einerseits um Untersuchungen zu kontextuellen Fundgruppen, so zur Keramik der klassischen und nachklassischen Zeit im Allgemeinen (V. Mitsopoulos-Leon) oder zum Spektrum der Keramikfunde der umfangreichen Planierung für die Südhalle (R. Kastler). Andererseits ist eine Reihe einzelner Fundgattungen in Form von Einzelstudien vorgelegt, so ein Komplex figürlicher Terrakotten (V. Mitsopoulos-Leon), die rotfigurige Keramik (I. McPhee), die Amphorenstempel aus der Planierung für die Südhalle (C. Lepeniotis), die hellenistischen Reliefbecher, die Lampen, Unguentarien, Webgewichte (Ch. Rogl), die Stimmarken aus dem Theater in Verbindung mit vergleichbarem Material aus Olympia (H. Baitinger / B. Eder) und die Inschriften (R. Fleischer, P. Siewert).
Für den modernen Besucher vermittelt die Ruine des Theaters, einzigartig in der Tatsache, dass das zur Hälfte künstlich aufgeführte Koilon über keine steinernen Zuschauersitze verfügte, einen architektonischen Eindruck der öffentlichen Bebauung. Im Museum von Elis sind neben dem Material neuerer Untersuchungen auch ausgewählte Funde der älteren österreichischen Grabungen ausgestellt.

Bildunterschriften
Abb. 1: Elis, Theater. Grabung Otto Walter (ÖAI Archiv)
Abb. 2: Elis, Theater (1988) (Photo G. Ladstätter)

Literatur:
Zu den Grabungen von J. Keil, A. v. Premerstein und O. Walter vgl. die vorläufigen Berichte in den ÖJh 14, 1911; 16, 1913 u. 18, 1915.
Zu den Grabungen von V. Mitsopoulos-Leon vgl. die 13 vorläufigen Berichte von ÖJh 45, 1960 bis 52, 1978-80.
V. Mitsopoulos-Leon - Ch. Schauer, Literaturübersicht zu den Grabungen des Österreichischen Archäologischen Instituts (Elis, Aigeira, Lousoi), in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Hundert Jahre Österreichisches Archäologisches Institut Athen 1898-1998 (1998) 83 ff.
V. Mitsopoulos-Leon, Elis, in: 100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut 1898-1998, SoSchrÖAI 31 (1998) 182-185.
B. Eder, Die Anfänge von Elis und Olympia: zur Siedlungsgeschichte der Landschaft Elis am Übergang von der Spätbronze- zur Früheisenzeit, in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions der 100-Jahr-Feier des ÖAI Athen, 1998, SoSchrÖAI 38 (2001) 233-243.
B. Eder - V. Mitsopoulos-Leon, Zur Geschichte der Stadt Elis vor dem Synoikismos von 471 v. Chr., ÖJh 68, 1999, Beibl. 1-39.
F. Glaser, Das Theater von Elis und das Problem einer hölzernen Skene, in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions der 100-Jahr-Feier des ÖAI Athen, 1998, SoSchrÖAI 38 (2001) 253-256.
V. Mitsopoulos-Leon, Tonstatuetten aus Elis, ÖJh 70, 2001, 81-114.
B. Eder, Die submykenischen und protogeometrischen Gräber von Elis (2001).
P. Siewert, Zwei Rechtaufzeichnungen der Stadt Elis, in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions der 100-Jahr-Feier des ÖAI Athen, SoSchrÖAI 38 (2001) 245-252.

Kontakt:
Veronika Mitsopoulos-Leon
Mitarbeiter/innen:
Birgitta Eder (Gräber der 'Dunklen Jahrhunderte') (ÖAW, Mykenische Kommission)
Franz Glaser (Theater) (Landesmuseum Kärnten, Klagenfurt)
Claudia Lepeniotis (Amphorenstempel) (KERA, Institut für griechische und römische Antike, Athen)
Ian Mc Phee (Rotfigurige Keramik)
Christine Rogl (Hellenistische Keramik und Lampen)
Peter Siewert (Archaische Inschriften) (Univ. Wien, Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik)

Juni 2007