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CARNUNTUM (NIEDERÖSTERREICH)

Carnuntum im Spiegel der Geschichte

In der römischen Geschichtsschreibung taucht Carnuntum zum ersten Mal während der Regierungszeit des Augustus im Jahr 6 n.Chr. auf. Velleius Paterculus berichtet, dass ein unter dem Kommando des Tiberius stehendes Heer während des gegen die Markomannen gerichteten Feldzuges in Carnuntum ein Winterlager einrichtete, dessen Lage allerdings bis heute unbekannt geblieben ist.
Die in der älteren Forschung angenommene Verlegung der 15. Legion nach Carnuntum während der Regierungszeit des Tiberius (14-37 n.Chr.) kann archäologisch nicht nachvollzogen werden. Die bislang ältesten Spuren militärischer Bautätigkeit sind erst für die Zeit des Kaisers Claudius (41-54 n.Chr.) im Bereich des Legionslagers nachzuweisen. Unter den flavischen Kaisern begann in der 2. Hälfte des 1. Jhs. n.Chr. die Siedlungstätigkeit sowohl in den canabae legionis als auch in der Zivilstadt. Vermutlich unter Domitian (81-96 n.Chr.) kam es zur Errichtung eines an der westlichen Grenze der canabae gelegenen Hilfstruppenlagers.
Nach der Teilung Pannoniens unter Trajan (98-117 n.Chr.) wurde Carnuntum Sitz des Statthalters der neu geschaffenen Provinz Pannonia superior. Hadrian (117-138 n.Chr.) erhob die Stadt zum municipium. Die friedliche Entwicklung wurde im Jahr 166 durch den Einfall germanischer Stämme, die bis nach Aquileia vordrangen, jäh gestört. Die römische Gegenoffensive kommandierte Kaiser Marc Aurel (161-180 n.Chr.), der aus diesem Anlass sein Hauptquartier für mehrere Jahre (171-173 n.Chr.) in Carnuntum aufschlug, selbst. Für die in der Literatur immer wieder angenommene Zerstörung der Stadt durch die Markomannen und Quaden können keine eindeutigen archäologischen Belege beigebracht werden.
Im Jahr 193 riefen die pannonischen Legionen den in Carnuntum residierenden Statthalter L. Septimius Severus zum Kaiser aus. Seine bis 211 dauernde Regierung brachte eine neue Blütezeit für die Grenzprovinzen. Carnuntum erhielt den Ehrentitel colonia. Anlässlich seines zehnjährigen Regierungsjubiläums besuchte der Kaiser im Jahr 202 Pannonien und wohl auch Carnuntum.
Im Jahr 308 kam es unter der Leitung Diokletians (284-305 n.Chr.), der als Kaiser bereits abgedankt und sich in seinen Palast nach Split zurückgezogen hatte, zu einer Konferenz, die das Problem der Herrschaftsnachfolge regeln sollte. Als sichtbares Denkmal dieses Ereignisses ist ein großer Altar erhalten geblieben, der von den in Carnuntum anwesenden Kaisern anlässlich der Restaurierung eines Mithras-Heiligtums gestiftet worden ist.
Um die Mitte des 4.Jhs. dürfte Carnuntum durch ein Erdbeben sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Bei den Grabungen der letzten Jahrzehnte fanden sich zahlreiche archäologische Befunde, die ein solches Ereignis nahelegen. Für die Zeit Valentinians I. (364-375 n.Chr.) lässt sich ein intensiver Wiederaufbau im Bereich des Legionslagers feststellen, während im Bereich der canabae große Siedlungsgebiete aufgegeben wurden. Die letzte antike Bautätigkeit kann an die Wende zum 5. Jh. n.Chr. datiert werden.

Literatur:
E. Swoboda, Carnuntum. Seine Geschichte und seine Denkmäler (1964).
H. Stiglitz - M. Kandler - W. Jobst, Carnuntum, in: Aufstieg und Niedergang der Römischen Welt II 6 (1977) 583-730.
W. Jobst, Carnuntum (1983).
M. Kandler - F. Humer - H. Zabehlicky, Carnuntum, in: M. Šašel Kos - P. Scherrer (Hrsg.), The autonomous towns of Noricum and Pannonia - Die autonomen Städte in Noricum und Pannonien, Situla 42 (2004) 11-66.
F. Humer (Hrsg.), Marc Aurel und Carnuntum. Sonderausstellung Archäologisches Museum Carnuntinum, Bad Deutsch-Altenburg (2004).
F. Humer (Hrsg.), Legionslager und Druidenstab - Vom Legionslager zur Donaumetropole. Sonderausstellung Archäologisches Museum Carnuntinum, Bad Deutsch-Altenburg, Textband (2006).
K. Mündl (Hrsg.), Weltstadt im Land der Barbaren. 2000 Jahre Carnuntum (2006).

Forschungen des ÖAI in Carnuntum

Seit der Gründung des ÖAI bilden die Forschungen in Carnuntum einen Schwerpunkt der Inlandsaktivitäten. Die Arbeiten wurden über Jahrzehnte hinweg in einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem 1885 gegründeten 'Verein Carnuntum' und der 1897 ins Leben gerufenen Limes-Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges bildete das Institut dabei eher nur den organisatorischen Mittelpunkt, was sich aus seinen in den Statuten festgelegten Kontrollfunktionen ergab; diese wurden von den jeweiligen Direktoren wahrgenommen. Die wichtigsten Grabungen dieses Zeitraumes führten M. von Groller und E. Nowotny im Legionslager durch (1898-1914), von welchen etwa drei Viertel der Anlage aufgedeckt wurden. Gleichzeitig führte Groller auch Grabungen in der Lagersiedlung (canabae legionis) durch, bei denen zahlreiche zivile Gebäude, aber auch ein Forum, eine große Thermenanlage und Teile des Statthalterpalastes aufgedeckt wurden.
Nach dem Krieg übernahm das Institut selbst mit eigenen Mitarbeitern die Forschungen vor Ort. In dieser schwierigen Zeit konnte mit der Freilegung und Konservierung des zweiten Amphitheaters in Petronell (1923-1930) durch R. Egger und F. Miltner dennoch ein Großprojekt realisiert werden. Im Anschluss daran mussten allerdings die Feldarbeiten aus finanziellen Gründen immer mehr eingeschränkt werden. Bemerkenswert sind noch die 1933 und 1934 vorgenommenen Grabungen an der Gräberstraße durch A. Betz, die reiches Inschriftenmaterial zutage förderten.
Unter den neuen Machthabern ab 1938 sollte es in Zusammenarbeit mit dem Gau Niederdonau zu einer Intensivierung der archäologischen Aktivitäten kommen. E. Swoboda wurde mit der Freilegung eines großen, westlich des Schlosses Petronell liegenden Ruinenkomplexes beauftragt. Es konnte allerdings nur eine Grabungskampagne im Jahr 1939 durchgeführt werden, da der Beginn des Zweiten Weltkrieges die Fortsetzung dieses Unternehmens verhinderte.
Bald nach Kriegsende war es H. Vetters möglich, mit Nachuntersuchungen im Militäramphitheater an die alte Tradition anzuknüpfen. In der Folge wurde wieder E. Swoboda als Grabungsleiter bestätigt, der seine neuen Grabungen im Spaziergarten des Petroneller Schlosses (1948-1956) und die daran anschließenden in der 'Palastruine' (1956-1964) nicht mehr mit dem ÖAI, sondern mit dem Land Niederösterreich organisierte. Nach seinem Tod betraute man 1967 H. Stiglitz mit der Fortsetzung der Grabungen in der 'Palastruine'. Damit kehrte die Carnuntiner Feldforschung wieder an das ÖAI zurück. 1968 begann die 'Limes-Kommission' zunächst allein, später dann in Verbindung mit dem ÖAI neue Grabungen im Legionslager (M. Kandler). Zwei Jahre später setzte mit den Grabungen auf dem Pfaffenberg bei Bad Deutsch-Altenburg (H. Vetters - W. Jobst) die Zeit der großen Rettungsgrabungen ein, die die Forschungsarbeiten des Institutes in Carnuntum bis heute beherrschen. So mussten ab 1978 sowohl in Bad Deutsch-Altenburg (Kultbezirke in den canabae legionis: M. Kandler bis 1991) als auch in Petronell (Reiterlager: H. Stiglitz bis 1988, M. Kandler 1989-2004) infolge zahlreicher Bauvorhaben großflächige Grabungen organisiert werden.

Literatur:
M. Kandler, Carnuntum, in: 100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut 1898-1998, SoSchrÖAI 31 (1998) 140-148.

Forschungen im Auxiliarkastell von Carnuntum

Bis 2004 wurden vom ÖAI Forschungen im 1977 entdeckten Petroneller Reiterlager durchgeführt (M. Kandler), in die zwischen 1989 und 1997 auch ein Teil des südlichen Vorlandes, das an die nach Aquileia führende Hauptstraße grenzt, einbezogen werden musste.
Das Kastell entstand in der 2. Hälfte des 1. Jhs. n.Chr. als Holzbau durch eine derzeit noch nicht mit Sicherheit zu benennende Einheit (Kastell 1). Im 1. Viertel des 2. Jhs. kam es zu einem Neubau, der mit der ala I Thracum, deren Name sich auf einigen gestempelten Ziegeln findet, in Verbindung gebracht werden kann (Kastell 2). Eine zinnenbekrönte Mauer und ein Spitzgraben schützten jetzt das Kastell. Die Tore wurden von Türmen flankiert, rechteckige Zwischen- und trapezförmige Ecktürme sind nachgewiesen. Die Innenbauten hingegen wurden mit Ausnahme des Bades weiter aus Holz oder Lehmziegeln errichtet. In der 2. Hälfte des 2. Jhs. diente das Kastell als Nachschublager (Kastell 3). In der severischen Dynastie kam es um oder nach 200 n.Chr. zu einem völligen Neubau der Kasernen im nördlichen Teil des Kastells (Kastell 4). Ein Jahrhundert später dürfte das Kastell aufgegeben worden sein. Im Bad konnte über dem Ziegelboden des Umkleideraumes eine dünne Schicht Flugerde beobachtet werden, die darauf schließen lässt, dass das Gebäude zu dieser Zeit bereits ohne Dach war. Um die Mitte des 4. Jhs. stürzten schließlich bei einem Erdbeben die Mauern ein.

Im Vorland konnten als ältester Horizont Teile des großen, zu beiden Seiten der Hauptstraße gelegenen Gräberfeldes, das nach der Ankunft der 15. Legion und dem Bau des Legionslagers angelegt wurde, untersucht werden. Dabei fanden sich auch einige Grabsteine, deren Inschriften in Mittelitalien beheimatete Soldaten sowie Bewohner der canabae legionis nennen.
Die Finanzierung der Grabungen, die in enger Absprache mit dem Bundesdenkmalamt durchgeführt wurden, erfolgte aus Budgetmitteln des ÖAI, vor allem aber durch Subventionen der Abteilung für Denkmalschutz des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die Ausgrabungen werden in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park Carnuntum mit der Freilegung und Restaurierung des Kastell-Osttores im Jahr 2008 fortgesetzt werden.

Neben den Ausgrabungen im Kastell wurde vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Forschungsinstitut für Archäologie (heute VIAS), dem Luftbildarchiv des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik begonnen, die Siedlungsstrukturen Carnuntums durch großflächige Luftbild- und Bodenprospektionen zu erforschen. Die bisher wichtigste Entdeckung gelang 1996, als südlich der Großen Therme das Forum der Zivilstadt festgestellt werden konnte. Der große, offene Platz wird an den Längsseiten von Portiken und Tabernen begleitet. An der Südseite erhob sich in der Mitte der von Verwaltungsbauten (curia, tabularium) umgebene Tempel der Kapitolinischen Trias. Nach Norden wurde das Forum gegen den decumanus maximus durch eine Basilika abgeschlossen.

Bildunterschriften
Abb. 1: Von den anlässlich der Kaiserkonferenz (307 oder 308 n.Chr.) in Carnuntum weilenden Kaisern gestifteter Altar für Mithras (Bad Deutsch-Altenburg, Archäologisches Museum Carnuntinum) (ÖAI Archiv)
Abb. 2: Grabungen 1939 in der 'Palastruine' (Große Therme) (ÖAI Archiv)
Abb. 3: Auxiliarkastell Carnuntum. Grundrisse der Perioden Kastell 1 (blau) und 4 (grün) (ÖAI Archiv)
Abb. 4: Die Ostecke des Kastells (Perioden 2-4) mit Negativen von Kastellmauer und trapezförmigem Eckturm (ÖAI Archiv)
Abb. 5: Blick von Osten über das Kastellbad (Periode 2-4) (ÖAI Archiv)
Abb. 6: Im Kastell gefundene Helmkalotte mit Lockendekor (um 200 n.Chr.) (ÖAI Archiv)
Abb. 7: Baublock östlich der Principia: Fundamentgräbchen der Periode 2 (ÖAI Archiv)
Abb. 8: Südlicher Teil des Forums des Zivilstadt, Bodenprospektion 1996 (© W. Neubauer)

Literatur/Auxiliarkastell:
M. Kandler (Hrsg.), Das Auxiliarkastell Carnuntum 2. Forschungen seit 1989, SoSchrÖAI 30 (1997). Mit Beiträgen von T. Bezeczky, G. Hackel-Tuna, M. Kandler, Ch. Kandler-Zöchmann, G. K. Kunst, M. Philipp und U. Zimmermann.
M. Kandler, Neues zum Carnuntiner Auxiliarkastell, in: N. Gudea (Hrsg.), Proceedings of the XVIIth International Congress of Roman Frontier Studies 1997 (1999) 379ff.
H. Stiglitz (Hrsg.), Das Auxiliarkastell Carnuntum 1, SoSchrÖAI 29 (1997). Mit Beiträgen von T. Bezeczky, V. Gassner, M. Kronberger, S. Jilek und R. Sauer.
M. Kandler, Römische Reitereinheiten und ihr Lager in Carnuntum, in: F. Humer (Hrsg.), Legionslager und Druidenstab - Vom Legionslager zur Donaumetropole. Sonderausstellung Archäologisches Museum Carnuntinum, Bad Deutsch-Altenburg, Textband (2006) 261-269.

Literatur/Prospektion:
W. Neubauer - A. Eder-Hinterleitner, Resistivity and Magnetics of the Roman Town Carnuntum / Austria: An Example of Combined Interpretation of Prospection Data. Archaeological Prospection 4, 1997, 179ff.
M. Kandler, Das Forum der Colonia Carnuntum, in: Steine und Wege. Festschrift Dieter Knibbe, SoSchrÖAI 32 (1999) 359ff.
P. Melichar - S. Serren - W. Neubauer - A. Eder-Hinterleitner, Kombination archäologisch-geophysikalischer Prospektionsethoden am Beispiel der römischen Zivilstadt Carnuntum, ArchA 82/83, 1998/99, 1-26.
A. Eder-Hinterleitner - Ch. Ertel - P. Ferschin - M. Kandler - K. Löcker - P. Melichar - W. Neubauer - S. Serren, Das Forum des Municipium Aelium Carnuntum, in: F. Humer (Hrsg.), Legionslager und Druidenstab - Vom Legionslager zur Donaumetropole. Sonderausstellung Archäologisches Museum Carnuntinum, Bad Deutsch-Altenburg, Textband (2006) 280-295.

Kontakt:
Manfred Kandler, Heinrich Zabehlicky


STADTFORSCHUNG IN PANNONIEN: CARNUNTUM

Innerhalb der sich über eine Gesamtfläche von ca. 80 ha erstreckenden Zivilstadt von Carnuntum nahm der 1,4 ha große Komplex mit Macellum und Therme (sog. Palastruine) nördlich des Forums eine zentrale Position ein. Der infrastrukturelle Mittelpunkt der Zivilstadt Carnuntum war somit durch Forum, Macellum und Therme erschlossen. Analoge städtebauliche Konzepte mit der Sequenz Forum - Macellum - Therme sind aus Viroconium-Wroxeter und in ähnlicher Form aus Aquincum-Budapest bekannt.
Die archäologischen Untersuchungen der Therme und des Macellums wurden zum überwiegenden Teil während der Jahre 1939 sowie 1956-1977 mit zeittypischen Methoden durchgeführt. Großflächige Ausgrabungen erfolgten 1939 unter der Leitung des Bediensteten des ÖAI (damals Zweigstelle Wien des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches) E. Swoboda, der die Forschungen als ordentlicher Professor der Universität Graz von 1956-1964 weiterführte. In den Jahren 1967-1977 wurden die Ausgrabungen im Auftrag des Landes Niederösterreich von H. Stiglitz (ÖAI) fortgesetzt. Eine Verlagerung der Forschungsinteressen bedingte nicht nur das vorzeitige Ende der Feldarbeiten im Bereich der sog. Palastruine, sondern auch das Ausbleiben einer detaillierten Auswertung. Seit Herbst 2004 erfolgt die Aufarbeitung dieser Altgrabungsbefunde im Rahmen eines FWF-finanzierten Forschungsprojekts (P17060-G02) am ÖAI in Kooperation mit dem Land Niederösterreich (F. Humer).
Das Macellum, ein axialsymmetrisch konzipiertes Gebäude mit zentralem Hof, drei markanten Einbauten in diesem Hof (Rundbau, Oktogone), einer inneren Porticus und tabernenartigen Strukturen, öffnete sich mit einer Porticus gegen Süden, wodurch die Kommunikation mit dem Forumsareal gewährleistet war. Im Westen und Osten wurde es von zwei Korridoren flankiert, wobei der westliche als Latrine genützt wurde. An die Korridore schlossen weitere großflächige Räume an, von denen einer aufgrund des Weihesteins mit Erwähnung des collegium fabrum als Versammlungsraum zu deuten ist.
Die archäologisch untersuchten Abschnitte der nördlich des Macellums gelegenen Therme lassen sich in drei Bereiche gliedern: die mit Heizanlagen ausgestatteten Aufenthaltsräume im Westen, der Ostteil mit wassertechnischen Einrichtungen sowie der von einer Porticus gesäumte Hof im Süden, welcher durch eine markante Geländekante vom südlich anschließenden Macellum abgesetzt ist.
Für das Macellum und die Therme sind drei Hauptnutzungsperioden festzustellen. Die Zerstörung am Ende der Periode 2 ist in weiten Bereichen durch eine Versturz- bzw. Planierschicht bezeugt. Das daraus stammende, zahlenmäßig außerordentlich repräsentative Fundmaterial spricht für eine Datierung in die mittleren Jahrzehnte des 3. Jhs. n.Chr.

Bedeutsam für die Rekonstruktion urbanistischer Planungsideen ist der mögliche Befund einer schrittweisen Ausdehnung der zentralräumlich strukturierten Areale: Es ist nicht davon auszugehen, dass zeitgleich mit der Anlage des Forums auch die des Macellums erfolgte, zumal diese beiden benachbarten öffentlichen Baukomplexe keinem axialsymmetrischen, flächig über das Stadtareal angewandten Parzellierungsschema eingepasst wurden. Von Bedeutung für die Stadtentwicklung ist zudem die Tatsache, dass der Bedarf für eine in ihren Ausmaßen beträchtliche Thermenanlage als jüngerer Entwicklungsschritt zu erfassen ist.

Bildunterschriften
Abb. 9: Carnuntum, Therme und Macellum (Photo: ÖAI, H. Stiglitz)
Abb. 10: Carnuntum, Therme, Planierschicht nach Aufgabe der Periode 2 (Photo: ÖAI, H. Stiglitz)
Abb. 11: Carnuntum, Macellum, Rheinzaberner Sigillata des 3. Jhs. n.Chr. (Photo: ÖAI, E. Pichler)

Kontakt:
Helga Sedlmayer
Mitarbeiterin:
Elisabeth Pichler


Jänner 2009