Home
Organisation
Projekte in Noricum &
Pannonien
Asturis-Zwentendorf
Bruckneudorf
Burgstall
Carnuntum
Colatio-Stari Trg
Favianis-Mautern
Frauenberg
Magdalensberg
Saaz
Wissenschaftsgeschichte
Projekte im Mittelmeerraum
Publikationen
Oeffentlichkeit
|
FORSCHUNGEN ZU KELTISCH-RÖMISCHEN KULTURKONTAKTEN: BURGSTALL BEI ST. MARGARETHEN IM LAVANTTAL (KÄRNTEN)
Im Jahr 2005 nahm das ÖAI die Forschungen am Burgstall im Lavanttal nach beinahe 80-jähriger Pause wieder auf. Erste Untersuchungen, im Zuge derer man einen keltisch-römischen Umgangstempel freilegte, hatte R. Egger 1927 am Burgstall durchgeführt. Der Tempel befindet sich in einem mindestens 27,4 × 27 m großen Bezirk im Mittelteil eines trapezförmigen, ca. 4 ha großen Plateaus, das an seiner Westseite von der mäandrierenden Lavant umflossen wird. Von der Lavant führte eine Stiege und in der Folge ein Weg direkt zu dem Tempelbezirk auf dem Plateau. Östlich des Tempels wurden Reste von Mauerwerk und einer Fußbodenheizung angepflügt. Es ist unklar, ob am Burgstall eine Siedlung und ein Kultbezirk oder nur ein Kultbezirk mit Umgangstempel(n) zugegen sind. Die römische Straße verläuft nicht auf der östlichen Talseite, im Bereich des Burgstalls, sondern auf der Westseite des Tals, wo ihre Trasse auf halber Höhe über Talboden noch zu erkennen ist.
Der Umgangstempel vom Burgstall gehört zu einer Gruppe von Kultbauten, die eine große, annähernd quadratische Cella und schmälere, oft in ihrer Breite differierende Umgänge aufweisen. Vergleichbare Bauten liegen neben Colatio-Stari trg und Celeia-Celje (Tempel 2) vor allem aus Gallien und Rätien vor. Das inschriftlich als 'navale' bezeichnete Heiligtum ist dem Mars Latobius geweiht. Die Bezeichnung 'navale' muss sich nicht zwingend auf den Kultbau beziehen, sondern könnte auch die Inkubationshalle für den Heilschlaf meinen. Die Bauinschrift des 3. Jhs. n.Chr. hat die Erneuerung des zu diesem Zeitpunkt aufgrund seines Alters bereits verfallenen Gebäudes zum Inhalt; die Errichtung des Umgangstempels ist daher deutlich früher, wahrscheinlich noch im 1. Jh. n.Chr. anzusetzen.
Die neuen Forschungen sollen die Klärung der Baustrukturen und der Bebauungsgeschichte des Burgstalls erbringen. Als einen ersten Schritt wurden 2005 ein systematischer Survey mit der Aufsammlung von Oberflächenmaterial und, in Kooperation mit Archeo Prospections® , geophysikalische Prospektionen mit Radar und Magnetik durchgeführt.
Die ersten Ergebnisse des Surveys geben neue Aufschlüsse zu den Baustrukturen im Kultbezirk, der zeitlichen Dimension des Heiligtums und der Bebauung des Plateaus. Anhand der Messdaten konnten weitere Gebäude identifiziert werden, die wahrscheinlich als Kultbauten zu interpretieren sind. Die übrigen Baustrukturen lassen sich als Teil einer Höhensiedlung ansprechen, die sich ursprünglich wohl über das gesamte Plateau erstreckte.
Bemerkenswert ist der anhand von Oberflächenfunden erbrachte Nachweis einer spätkeltischen Nutzung des Areals im 1. Jh. v.Chr. Die Funde der frühen römischen Kaiserzeit, also des Zeitabschnitts bis zum Ende des 1. Jhs. n.Chr., sind vergleichsweise zahlreich und lassen sich mit dem Repertoire der Gebrauchsformen am Magdalensberg parallelisieren. Gut vertreten ist auch das Fundmaterial der mittleren römischen Kaiserzeit, welches mit dem in unmittelbarer Nachbarschaft geborgenen Material aus dem Gräberfeld von Meier am Hof vergleichbar ist. Unterrepräsentiert sind bislang die spätantiken Nachweise.
Die Ergebnisse des Surveys wurden 2006 mit Grabungen am Burgstall verifiziert und sollen nach der Bearbeitung der Befunde und Funde in den Sonderschriften des ÖAI vorgestellt werden.
Bildunterschriften
Abb. 1: Die Grabungen 1927 am Burgstall (© ÖAI)
Abb. 2: Topographie des Burgstalls (© ÖAI)
Literatur:
R. Egger, Der Tempelbezirk des Latobius im Lavanttale, AnzWien 64, 1928, 4-20.
St. Groh - H. Sedlmayer, Der norisch-römische Kultplatz am Frauenberg (Österreich), Protohistoire Européenne 9 (2005) 84-86.
St. Groh - H. Sedlmayer, Der Kultplatz des Latobius Maromogius auf dem Burgstall bei St. Margarethen im Lavanttal, in: F. W. Leitner (Hrsg.), Götterwelten. Tempel, Riten, Religionen in Noricum, Katalog Landesmuseum Kärnten (Klagenfurt 2007) 31-34.
Kontakt:
Stefan Groh
Helga Sedlmayer
Juni 2007
|