Publikationen

Veronika Scheibelreiter-Gail, Die Mosaiken Westkleinasiens, SoSchrÖAI 46 (Wien 2011).

Gerda von Bülow - Heinrich Zabehlicky (Hrsg.), Brcukneudorf und Gamizgrad (Bonn 2011)

Gerda von BülowHeinrich Zabehlicky (Hrsg.),

Bruckneudorf und Gamzigrad. Spätantike Paläste und Großvillen im Donau-Balkan-Raum, SoSchrÖAI 45 (Bonn 2011).

Walter Gauß – Evangelia Kiriatzi,

Pottery Production and Supply at Bronze Age Kolonna,Aegina.

An Integrated Archaeological and Scientific Study of a Ceramic Landscape, Ägina-Kolonna. Forschungen und Ergebnisse 5 (Wien 2011).

Die sogenannte Tribüne - Ein Odeion im Heiligtum der Artemis von Ephesos

Lage des Odeion im Artemision
Lage des Odeion im Artemision

Seit dem Jahr 2009 wird im Temenos des Artemisions ein bisher ›Tribüne‹ genannter Bau untersucht. Der einzige noch sichtbare Überrest des einst dicht bebauten Heiligtums erweckte bislang nur wenig Interesse und war daher weder in seinem Bestand dokumentiert noch archäologisch erforscht worden. Ziel des aktuellen Projekts ist, Funktion, Datierung, Rekonstruktion und Nutzungsgeschichte des Gebäudes zu klären.

 

Der Bau von rechteckigem Grundriss misst etwa 40 × 22 m. Der sichtbare, aus einem komplexen Kammersystem bestehende Bereich des Gebäudes bot zunächst keine Hinweise auf die ursprüngliche Funktion des Bauwerks. Im Jahr 2010 konnte jedoch ein Teil eines halbkreisförmigen, in den rechteckigen Grundriss eingeschriebenen Zuschauerraums auf der Oberseite freigelegt werden. Und nachdem im Jahr 2011 die Grabungsfläche erweitert worden war, zeigte sich, dass der Erhaltungszustand der Sitzreihen des Zuschauerraumes mit zunehmender Tiefe besser wurde: Kamen zunächst nur Abdrücke beraubter Marmordeckplatten zutage, waren in größerer Tiefe Platten noch in situ erhalten.

 

In einer im Bereich um den konstruierten Mittelpunkt der halbkreisförmigen Cavea angelegten Sondage konnte ein Teil der erhöhten Bühne freigelegt werden, auf der Versturzblöcke des im Osten vermuteten Bühnengebäudes lagen. Im Bereich vor der Bühne fand sich die ursprüngliche Ausstattung des Orchestrabodens mit opus sectile-Belag aus einem geometrischen Dekor mit quadratischer Felderrahmung und eingeschriebenen Kreismotiven.

 

Josef Keil und Dieter Knibbe sprachen dieses Gebäude als ›Kulttheater‹ an. Die Ergebnisse der aktuellen Feldarbeiten gestatten nun eine präzise Interpretation: Das Gebäude ist aufgrund seiner Ausstattung sowie enger bautypologischer Vergleiche eindeutig als Odeion zu identifizieren. Lassen schon die rechteckige Grundform, welche eine Überdachung nahelegt, sowie die Aufdeckung der erhöhten Bühne keine Zweifel bestehen, bestätigen die Versturzblöcke des Bühnengebäudes und Fragmente seiner Skulpturenausstattung die Interpretation als Odeion zusätzlich.

 

Odeia fungierten nachweislich als Austragungsort musischer Agone. Die Existenz solcher Wettkämpfe im Rahmen der heiligen Spiele für Artemis ist in Ephesos durch entsprechende Siegerinschriften belegt. Nach den Ergebnissen der Feldforschungen des Jahres 2011 ist der Austragungsort der überlieferten musischen Agone nun bekannt: Das bisher als ›Tribüne‹ bezeichnete Gebäude innerhalb des Temenos ist ab nun als Odeion im Artemision anzusprechen.

 

 

Kontakt

Lilli Zabrana