Projekte: Geografische Übersicht

Forschungen in Aigeira

Die antike Stadt Aigeira liegt in der heutigen Provinz Achaia, auf einem langgestreckten Bergrücken (416 m über dem Meer), wenige Kilometer von der Küste des Korinthischen Golfs entfernt. Die Siedlungstätigkeit in Aigeira geht bis in das späte Mittelneolithikum und Spätneolithikum zurück, wie die jüngsten Ausgrabungen unmittelbar unterhalb (nördlich) der antiken Akropolis auf der Grabungsfläche ›Solon‹ gezeigt haben.

 

Ihre Blüte hatte die Siedlung in spätmykenischer Zeit im 12. Jh. v. Chr. In dieser Periode können auf der Akropolis und dem etwas tiefer gelegenen Plateau südlich davon mehrere Siedlungsphasen unterschieden werden. Die auf der Akropolis gefundenen Reste mehrerer mykenischer Häuser, Räumen zur Vorratshaltung, eines Töpferofens sowie einer Umfassungsmauer belegen die Bedeutung dieser Siedlung.

 

Der Übergang von der Späten Bronzezeit zur Frühen Eisenzeit ist in Aigeira noch nicht ausreichend erforscht und soll Schwerpunkt zukünftiger archäologischer Arbeiten sein. Der bei Homer überlieferte ursprüngliche Name Hyperesia (Il. 2, 573) wurde im 7. Jh. v. Chr. durch Aigeira ersetzt. Ab dem späten 8. Jh. v. Chr. wurde die Akropolis bzw. ein Teil dieser als Heiligtum genutzt. In ihrem westlichen Bereich konnten zwei zeitlich aufeinander folgende Kultbauten identifiziert werden, wobei das jüngere Gebäude in der archaischen und klassischen Zeit mit einem qualitätvollen Dach aus bemalten Ziegeln gedeckt war (Rekonstruktion im Museum von Aigio).

 

Mit dem Zuzug der Bevölkerung von Aigai um 350 v. Chr. und der Gründung des Achaischen Bundes 281/280 v. Chr. erlebte Aigeira eine neuerliche Blütezeit. Die gesamte hellenistische Stadt wurde mit einer Stadtmauer befestigt; die Wasserversorgung stellte eine teilweise unterirdisch verlaufende Wasserleitung sicher. Die jüngsten Ausgrabungen legten auf der Grabungsfläche ›Solon‹ ein wichtiges öffentliches Gebäude dieser Periode frei, das im 4. Jh. v. Chr. errichtet und im 3. Jh. umgebaut wurde. Es handelt sich dabei vermutlich um ein Gästehaus, dessen Andron mit einem qualitätvollen Kieselmosaik ausgestattet war und Platz für elf Klinen bot. Ab dem frühen 3. Jh. v. Chr. entstand nordöstlich der Akropolis ein neues öffentliches Zentrum, zu dem ein Theater und mehrere um das Theater angeordnete Kultbauten gehörten. In einem dieser Bauten, der ebenfalls mit einem qualitativ hochwertigem Kieselmosaik ausgestattet war, wurde bereits 1916 ein überlebensgroßer, bärtiger Marmorkopf gefunden. Bei diesem handelt es sich vermutlich um den Zeus des hellenistischen Bildhauers Eukleides. In einem anderen Gebäude, dem sog. Tychaion, kamen die Reste einer knapp überlebensgroßen Gewandstatue zutage, die mit der bei Pausanias erwähnten Statue der Tyche identifiziert wird.

 

Die Ausführungen des Reiseschriftstellers Pausanias, der im 2. Jh. n. Chr. die nach wie vor blühende Stadt besuchte und ihre Sehenswürdigkeiten beschrieb (7, 26, 1–14), sind für die Topografie von Aigeira generell von besonderer Bedeutung. Pausanias’ Schilderungen des öffentlichen Zentrums decken sich weitgehend mit den bisherigen Ergebnissen der Ausgrabungen. Die Wohnbebauung der hellenistischen und römischen Zeit wie auch die Topografie des spätrömisch/spätantiken Aigeira sind bisher aber noch weitgehend unerforscht.

 

 

Finanzierung

ÖAI

 

 

Literatur

  • E. Alram-Stern – W. Alzinger – S. Deger-Jalkotzy, Aigeira-Hyperesia und die Siedlung Phelloë in Achaia. Österreichische Ausgrabungen auf der Peloponnes 1972–1983. Teil I: Akropolis, Klio, 67, 1985, 389–451.
  • E. Alram-Stern, Ageira – Acropolis: The Stratigraphy, in: S. Deger-Jalkotzy – M. Zavadil (Hrsg.), LH III C Chronology and Synchronisms. Proceedings of the International Workshop Held at the Austrian Academy of Sciences at Vienna, May 7th and 8th, 2001, VMykKomm 20 (Wien 2003) 15–21.
  • E. Alram-Stern, Aigeira and the Beginning of the Middle Helladic Period in Achaia, in: A. Philippa-Touchais – G. Touchais – S. Voutsaki – J. C. Wright (Hrsg.), Mesohelladika. La Grèce continentale au Bronze Moyen. Actes du colloque international organisé par l’École française d’Athènes, en collaboration avec l’American School of Classical Studies at Athens et le Netherlands Institute in Athens, Athènes, 8–12 mars 2006, Bulletin de Coerrespondance Hellénique. Supplément 52 (Athen 2010) 143–150.
  • E. Alram-Stern – S. Deger-Jalkotzy (Hrsg.), Aigeira I. Die mykenische Akropolis. Faszikel 3. Vormykenische Keramik, Kleinfunde, archäozoologische und archäobotanische Hinterlassenschaften, naturwissenschaftliche Datierungen, SoSchrÖAI 43 (Wien 2006).
  • W. Alzinger – S. Gogos – R. Trummer, Aigeira-Hyperesia und die Siedlung Aigeira-Hyperesia und die Siedlung Phelloë in Achaia. Österreichische Ausgrabungen auf der Peloponnes 1972–1983. Teil II: Theater und Umgebung, Klio 68, 1986, 5–62.
  • W. Alzinger, Was sah Pausanias in Aigeira? Archäologische und literarische Dokumente, in: S. Walker – A. Cameron (Hrsg.), The Greek Renaissance in the Roman Empire. Papers from the tenth British Museum Classical Colloquim, Bulletin of the Institute of Classical Studies. Suppl. 55 (London 1989) 142–145.
  • W. Alzinger, Die hellenistischen Tempel von Aigeira, in: Akten des XIII. Internationalen Kongresses für Klassische Archäolgie Berlin 1988 (Mainz 1990) 549–551.
  • A. Bammer, Neue Heiligtümer in Aigeira, in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions anläßlich der Feier »100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut Athen«, Athen 5. 3.–7. 3. 1998, SoSchrÖAI 38 (Athen 2001) 95–105.
  • S. Deger-Jalkotzy, Stratified deposits from the Late Helladic IIIC settlement at Aigeira/Achaia, in: S. Deger-Jalkotzy – M. Zavadil (Hrsg.), LH III C Chronology and Synchronisms. Proceedings of the International Workshop Held at the Austrian Academy of Sciences at Vienna, May 7th and 8th, 2001, VMykKomm 20 (Wien 2003) 53–75.
  • W. Gauß, The Last Mycenaeans at Aigeira and Their Successors, in: S. Deger-Jalkotzy – A. E. Bächle (Hrsg.), LH IIIC Chronology and Synchronisms III. LH IIIC Late and the Transition to the Early Iron Age. Proceedings of the International Workshop Held at the Austrian Academy of Sciences at Vieanna, February 23rd and 24th, 2007, VMykKomm 30 (Wien 2009) 163–182.
  • S. Gogos, Kult und Heiligtümer der Artemis von Aigeira, ÖJh 57, 1986/1987, 108–139.
  • S. Gogos, Das Theater von Aigeira. Ein Beitrag zum antiken Theaterbau, SoSchrÖAI 21 (Wien 1992).
  • S. Gogos, Das Theater von Aigeira. Ein Beitrag zur Chronologie des Zeus-Heiligtums, in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions anläßlich der Feier »100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut Athen«, Athen 5. 3– 7. 3. 1998, SoSchrÖAI 38 (Athen 2001) 79–87.
  • T. Hagn, Das Tycheion von Aigeira und daran anschließende Bauten, in: J.-Y. Marc – J.-C. Moretti (Hrsg.), Constructions Publiques et Programmes Édilitaires en Grèce entre le IIe siècle av. J.-C. et le Ier siècle ap. J.-C. Actes du Colloque organisé par L’École Française d’Athènes et le CNRS, Athènes 14–17 Mai 1995, BCH Suppl. 39 (Athen 2001) 297–311.
  • M. Hainzmann, Hyperesia / Aigeira – eine historische Spurensuche, in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions anläßlich der Feier »100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut Athen«, Athen 5. 3.–7. 3. 1998, SoSchrÖAI 38 (Athen 2001) 73–78.
  • E. Lanschützer – G. C. Neeb – R. Trummer, Aigeira-Hyperesia und die Siedlung Aigeira-Hyperesia und die Siedlung Phelloë in Achaia. Österreichische Ausgrabungen auf der Peloponnes 1972–1983. Teil III: Palati, zur Wasserversorung von Aigeira, Phelloë, Klio 68, 1986, 309–347.
  • G. Schwarz, Korinthische und attische Keramik aus Aigeira, in: V. Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Forschungen in der Peloponnes. Akten des Symposions anläßlich der Feier »100 Jahre Österreichisches Archäologisches Institut Athen«, Athen 5. 3.–7. 3. 1998, SoSchrÖAI 38 (Athen 2001) 89–93.
  • R. Trummer, Zwei Kolossalköpfe aus Aigeira, in: A. Heinrich Borbein (Hrsg.), AntPl 22 (München 1993) 141–155.

 

 

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Walter Gauß