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DIE SKULPTUREN VON EPHESOS
Seit 1988 wird am Österreichischen Archäologischen Institut im Rahmen des Projektes "Die Skulpturen von Ephesos" die Erforschung der bei den österreichischen Grabungen in Ephesos entdeckten griechischen, römischen und spätantiken Skulpturen systematisch betrieben. Die seit über 100 Jahre währenden Grabungen erbrachten Tausende an Skulpturenfunden. Ziel ist einerseits die systematische Erfassung und Dokumentation aller Skulpturen in einem nach Gattungen geordneten Katalog im Rahmen der "Forschungen in Ephesos", andererseits die begleitende Erforschung der Ausstattungsprogramme öffentlicher und privater Bauten in Ephesos. Im Rahmen der Aufarbeitung ist auch eine Bilddatenbank zur ephesischen Plastik geplant. Das Projekt wurde von 1988-90, von 1995-97 und wird seit 1998 wieder vom FWF gefördert.
Derzeit sind sieben Teilgebiete der ephesischen Plastik in Bearbeitung bzw. in Publikationsvorbereitung (2008 Finanzierung von 2 Mitarbeiter[inne]n im FWF-Projekt 18605-G02: J. Auinger und A. Leung; Projektleitung M. Aurenhammer):
- Die Porträts (hrsg. von M. Aurenhammer, Autorenkollektiv)
- Die Hermen (R. Hanslmayr)
- Die Sarkophage (M. Heinz, C. Kintrup)
- Die Skulpturenausstattung der Wohneinheiten 3, 5 und 6 des Hanghauses 2 (E. Christof, E. Rathmayr)
- Die Skulpturenausstattung des C. Laecanius Bassus-Nymphaeum (E. Rathmayr)
- Die Skulpturenausstattung des Vedius- und Ostgymnasiums (J. Auinger mit A. Leung, Bauforschung)
- Die Skulpturenausstattung des Theaters (M. Aurenhammer)
Porträts
Die in internationaler Kooperation erarbeitete Publikation aller in Ephesos gefundener hellenistischer und kaiserzeitlicher Porträts steht vor ihrem Abschluss. Sie umfasst neben den Porträtköpfen auch die Statuen und Büsten ohne Kopf, somit alle bei Grabungen gefundenen Denkmäler, inklusive der Neufunde und der bis jetzt unpublizierten Stücke; auch die Ankäufe des Efes Müzesi Selçuk finden Berücksichtigung. Dadurch erweitert sich die Materialbasis gegenüber den grundlegenden Publikationen von J. Inan und E. Alföldi-Rosenbaum um ein Vielfaches. Die Beiträge werden von M. Aurenhammer, J. Auinger, M. Heinz, E. Rathmayr sowie von A. Chodora, G. Günay-von Graeve und R. Hanslmayr verfasst, außerdem von Kooperationspartnern in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien (M. Laubenberger), dem British Museum, Department of Greek and Roman Antiquities (Th. Opper und S. Walker) und dem Efes Müzesi Selçuk (Mitarbeit von M. Büyükkolanci, C. Içten, B. Tuluk, Ü. Yügrük-Planken). Darüber hinaus wird eine Liste aller von Porträtstatuen stammenden Inschriftbasen publiziert (A. Sokolicek).
Hermen
Die Publikation der in Ephesos gefundenen Hermen wird von R. Hanslmayr zum Druck vorbereitet (FiE X 1, 1), mit Beiträgen von H. Taeuber (Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien ) zu den Inschriften an Hermen und von G. Plattner (Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung) zur Architekturornamentik des Heraklestors sowie unter Mitarbeit von M. Büyükkolanci (Efes Müzesi Selçuk). Die Arbeit umfasst Denkmäler unterschiedlichsten Formats, von den kleinformatigen Schmuckhermen bis zu kolossalen Exemplaren, auch einige Kopien und Nachahmungen berühmter Kunstwerke. Von besonderem Interesse ist der spätantike Hermenzaun vom Nymphaeum Traiani.
Sarkophage
Ziel dieses vom FWF in drei Abschnitten geförderten Projekts (P 13186, P 15112, P 17122-G02) ist die Dokumentation und Publikation aller im Gebiet von Ephesos gefundenen Sarkophage; dies erfolgt in einer Kooperation mit dem Efes Müzesi Selçuk. Es handelt sich um ca. 800 Sarkophage und Sarkophagfragmente, überwiegend Girlandensarkophage aus lokaler Produktion, aber auch Importe aus verschiedenen Regionen Kleinasiens wie Dokimeion und Prokonnesos, dazu aus Athen und sogar aus Rom. Die Publikation in Form eines Katalogs mit übergreifenden Texten umfasst die Girlandensarkophage (M. Heinz, B. Tuluk), die Säulensarkophage (M. Heinz, M. Büyükkolanci), die attischen Sarkophage und ihre Nachahmungen (C. Kintrup), die stadtrömischen und andere Sarkophage (M. Heinz) unter Einbeziehung aller aussagekräftiger Inschriften (H. Taeuber).
Skulpturenausstattung des Hanghauses 2
Derzeit befinden sich die Studien zur Skulpturenausstattung der Wohneinheiten 1 und 2 (E. Christof und E. Rathmayr) im Druck, zu den Wohneinheiten 3 und 5 (E. Christof) sowie 6 (E. Rathmayr) in Druckvorbereitung (Institut für Kulturgeschichte der Antike).
Skulpturenausstattung des C. Laecanius Bassus-Nymphaeum
Die Ausstattung dieses Prunkbrunnens wurde von E. Rathmayr im Rahmen eines FWF-Projekts (P 16591-G02) für die Publikation des gesamten Monuments bearbeitet (s. Prunkbrunnen des C. Laecanius Bassus).
Skulpturenausstattung des Vedius- und des Ostgymnasiums
Ziel des vom FWF geförderten Projekts (P 18605-G02, 2006-2008) ist die Rekonstruktion und Interpretation der Skulpturenausstattung des Vedius- und des Ostgymnasiums (J. Auinger). Bei der Freilegung der Gebäude, die in den Jahren 1927-1931 von J. Keil und F. Miltner durchgeführt wurde, kamen an die 20 Ganzstatuen und 60 Fragmente ausgezeichneter Qualität zutage. Die größte Anzahl an Skulpturfragmenten wurde in den sog. Kaisersälen gefunden: Diese Verdichtung an Statuenschmuck ist Anstoß, die Funktion dieser Räume zu hinterfragen. Zahlreiche neue Fragmente (ca. 370 Stück) wurden bei den jüngsten Untersuchungen in den Jahren 2002-2005 (M. Steskal, s. Vediusgymnasium) gefunden. Über die Bedeutung der jeweiligen Einzelstücke hinaus, verspricht die systematische Auswertung des Gesamtbefundes Ergebnisse zum Ausstattungsprogramm sowie zu Bildhauerwerkstätten.
Für das Ostgymnasium liegt keine aktuelle archäologische und bauhistorische Untersuchung vor, sodass für eine parallele Studie der Skulpturenausstattung dieses Gebäudes die Bauaufnahme und Rekonstruktion des sog. Kaisersaales und des Propylons erstellt wird (A. Leung).
Skulpturenausstattung des Theaters
In Zusammenarbeit mit A. Öztürk (Mimar Sinan-Universität, Istanbul, Architektur der Bühnenwand) und M. Hofbauer (Grabungen) wird M. Aurenhammer die Ausstattung des Theaters vorlegen (s. Theater). Die Denkmäler werden in den Museen von Selçuk und Istanbul, im Kunsthistorischen Museum, Wien, und im British Museum, London, aufbewahrt. Einen Überblick über die bekannten Denkmäler der Ausstattung bot A. Can Özren, Thetis 3, 1995, 105 ff. 124 ff. Das Studium der Grabungsberichte und -tagebücher, Korrespondenzen und Photoarchive in Wien und London wird das Bild noch verändern. Die Arbeiten begannen 2005.
Bildunterschriften
Abb. 1: Spätseverische Frauenbüste aus dem Hanghaus 1 (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 2: Detail des Hermenzauns aus dem Hanghaus 1 (© ÖAI, Photo A. Schiffleitner)
Abb. 3: Girlandensarkophag aus dem sog. Paulusgefängnis (1. Hälfte 1. Jh. n.Chr.) (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 4: Hellenistische Artemisstatuette aus der Wohneinheit 4 (© ÖAI, Photo A. Schiffleitner)
Abb. 5: Flussgott aus dem Vediusgymnasium, Detail (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 6: Rekonstruktion der Bühnenwand des Theaters (G. Niemann, 1906) (© ÖAI, Photo N. Gail)
Literatur:
M. Aurenhammer, Die Skulpturen von Ephesos. Idealplastik I, FiE X 1 (1990).
M. Aurenhammer, Drei neue römische Porträts von der Tetragonos Agora in Ephesos, ÖJh 69, 2000, 17-33.
M. Heinz, Sarkophage der kleinasiatischen Hauptgruppe und ihre Nachahmungen in Ephesos, ÖJh 70, 2001, 51-64.
M. Aurenhammer, Skulpturen aus Stein und Bronze, in: C. Lang-Auinger (Hrsg.), Hanghaus 1 in Ephesos. Funde und Ausstattung. FiE VIII 4 (2003) 153-208.
R. Hanslmayr, Der spätantike Hermenzaun vom Nymphaeum Traiani. Eine Planetenbalustrade, in: B. Asamer - W. Wohlmayr (Hrsg.), Akten des 9. Österreichischen Archäologentages am Institut für Klassische Archäologie der Paris-Lodron-Universität Salzburg 2001 (2003) 63-68.
M. Heinz, Die Sarkophage aus der Grabung 2002, in: M. Steskal - K. Großschmidt - M. Heinz - F. Kanz - H. Taeuber, Die Damianosstoa in Ephesos. Bericht über die Ausgrabung 2002 im Abschnitt Kathodos III, ÖJh 72, 2003, 252-263.
E. Rathmayr, Skulpturen, in: H. Thür (Hrsg.), Hanghaus 2 in Ephesos. Die Wohneinheit 4. FiE VIII 6 (2005) 207-229.
J. Auinger - A. Sokolicek, Ein späthellenistisches Grabrelief aus der Nekropole am Ostabhang des Panayır Dağ, ÖJh 75, 2006, 309-323.
E. Rathmayr, Götter- und Kaiserkult im privaten Wohnbereich anhand von Skulpturen aus dem Hanghaus 2, RömHistMitt 48, 2006, 103-133.
J. Auinger - E. Rathmayr, Zur spätantiken Statuenausstattung der Thermen und Nymphäen in Ephesos, in: F. A. Bauer - Ch. Witschel (Hrsg.), Statuen in der Spätantike. Spätantike - Frühes Christentum - Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend 23 (2007) 237-269.
Kontakt:
Maria Aurenhammer
Mitarbeiterinnen:
Johanna Auinger
Eva Christof
Regina Hanslmayr
Margarete Heinz
Carola Kintrup
Elisabeth Rathmayr
Jänner 2008
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