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EIN DACH FÜR EPHESOS:
DER NEUE SCHUTZBAU FÜR DAS HANGHAUS 2
Mit einem modernen Schutzbau über dem Hanghaus 2, der konservatorische Bedürfnisse mit optischer Ästhetik zu verbinden trachtet und sich unter Verwendung modernster Materialien bewusst von der antiken Ruine abhebt, beschreitet Österreich neue Wege auf dem Gebiet des Denkmalschutzes.
1995 wurde - nachdem alle vorangegangenen Bemühungen als gescheitert zu betrachten waren - mit der Neuplanung eines Schutzbaus über dem Hanghaus 2 in Ephesos auf Basis der komplexen denkmalpflegerischen und klimatologischen Aufgabenstellung begonnen.
Hierzu wurde die sog. Hanghauskommission eingesetzt, bestehend aus jeweils drei Vertretern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, des damaligen Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr, der Sponsoren sowie der Türkischen Republik, unterstützt von internationalen Experten.
Der Schutzbau, ein wesentlicher Abschnitt der erforderlichen Konservierungsarbeiten, sollte alle widrigen Umwelt- und Klimaeinflüsse von der Ruine abhalten. Erst mit der Schaffung möglichst günstiger Klimabedingungen waren die Erhaltung und damit letztlich auch die Präsentation dieses einzigartigen Baubefundes mit seinen Wandmalereien, Mosaikböden, Steinschmuckflächen und anderen Architekturteilen zu erreichen. Für die Planung eines derartigen Schutzbaus waren die Ruine selbst, die hier einst verwendeten Baustoffe, die Lage im Gelände und die einwirkende Umwelt ausschlaggebend. Erforderlich war es, das antike Bauwerk hinsichtlich seiner verfallsauslösenden Ursachen durch Bauphysiker, Bauchemiker, Klimatechniker und Baugeologen zu befunden.
Im Herbst 1996 wählte die sog. Hanghauskommission aus fünf vorgelegten Projekten eines aus, welches 1997 auch von den zuständigen türkischen Behörden als am geeignetsten beurteilt wurde und somit die Baubewilligung erlangte.
Bei dem Projekt der Planer Prof. Dr. DI Wolfdietrich Ziesel (Wien) und Architekt DI Otto Häuselmayer (Wien) handelt es sich um ein leichtes Edelstahltragwerk mit einer Überdachung aus textiler Membran und einer durchsichtigen, lamellenartig konstruierten Fassade. Erfüllt wird vor allem eine Schutzfunktion: Wind, Sonne, Regen und alle anderen äußeren Einflüsse, die den antiken Befunden Schaden zufügen, werden wirksam und auf Dauer abgehalten. Darüber hinaus ordnet sich der Schutzbau durch eine einfache Formensprache der landschaftlichen Umgebung von Ephesos unter und bildet einen gewollten optischen Kontrast zu den Ausgrabungen.
Die transparenten seitlichen Abschlüsse ergeben im Zusammenwirken mit der transluzenten Dachhaut in jedem Bereich der antiken Anlage angenehme natürliche Lichtverhältnisse. Ein dem Besucher wie vor allem auch dem antiken Befund zuträgliches Raumklima waren zudem Vorgabe des Projekts, das eine Visitenkarte österreichischer Architektur und Ingenieurbaukunst darstellt.
Die Errichtungskosten wurden durch Budgetmittel der Republik Österreich, und zu etwa einem Drittel von Sponsoren aufgebracht.
Zu den Großsponsoren zählten (in alphabetischer Reihenfolge): Bank Austria, Creditanstalt, Donau Allgemeine Versicherungs AG, EA Generali AG, EVN Energieversorgung Niederösterreich AG, Kallingerbau, Metallbau Treiber KG, Österreichische Bundesbahnen, Oesterreichische Nationalbank, Österreichische Lotterien GmbH, Raiffeisen Zentralbank Österreich AG, Siemens AG Österreich, STRABAG Österreich GmbH, VATech, Verbundplan GmbH.
Bildunterschriften
Abb. 1: Hanghaus 1 und 2 (© ÖAI)
Abb. 2: Wohneinheit 4, Pfeilerhof und Apsisrückwand der Basilika, darüber die filigrane Stahlkonstruktion (© ÖAI)
Abb. 3: Der Schutzbau von Nordosten (© ÖAI)
Literatur:
F. Krinzinger (Hrsg.), Ein Dach für Ephesos, SoSchrÖAI 34 (2000).
Kontakt:
ephesos@oeai.at
Oktober 2008
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