OeAI - Projekte im Ausland


 o Home
 o Organisation
 o Projekte in Noricum &
   Pannonien
 o Projekte im Mittelmeerraum
  o Ephesos
    o Geschichte
    o Artemision
    o Bouleuterion
    o Çukuriçi Höyük
    o Hadrianstempel
    o Hanghaus 2
    o Magnesisches Tor
    o Oberstadt
    o Oktogon
    o Prunkbrunnen
    o Prytaneion
    o Schutzbau
    o Tetragonos Agora
    o Vediusgymnasium
    o Hafennekropole
    o Stadtplan
    o Epigraphik
    o Skulptur
    o Vorhell. Keramik
    o Aquädukte von Ephesos
 o Publikationen
 o Oeffentlichkeit


MAGNESISCHES TOR

Das am besten erhaltene Bauwerk aus der Zeit der Gründung von Ephesos durch den hellenistischen König Lysimachos, einem ehemaligen General Alexanders des Großen, sind die weit ausgedehnten Befestigungsanlangen. Sie umfassen das gesamte Stadtgebiet, das sich im Wesentlichen zwischen den beiden Bergen Bülbül Dağ und Panayır Dağ ausbreitet, und sind als repräsentatives Bauwerk auch von Weitem gut erkennbar. Die beiden Siedlungsberge ermöglichen allerdings nur an wenigen Stellen einen ungehinderten Zutritt in das Stadtgebiet, weshalb Ephesos auch nur wenige Stadttoren besitzt.

Neben den Hafentoren, die den meerseitigen Zugang in die Stadt markieren, und zwei - nur hypothetisch rekonstruierbaren - landseitigen Stadteingängen im Westen und im Norden der Stadt nimmt das Magnesische Tor im Südosten von Ephesos eine Schlüsselstellung ein: Es ist nicht nur das größte, von Türmen flankierte und mit einem Torhof ausgestattete Stadttor, sondern es ist auch die Stelle, an der die wichtigsten regionalen und überregionalen Straßen in das Stadtgebiet von Ephesos münden. Die lokal-regionale und überregionale Bedeutung des Magnesischen Tores wird nun in einem neuen Forschungsprojekt untersucht, das im Herbst 2007 begonnen wurde und am Österreichischen Archäologischen Institut beheimatet ist. Die Finanzierung übernimmt dankenswerterweise der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Österreich (Projektnr. P19987-G02). Weitere Untersuchungen führten das ÖAI 1907 und Gérard Seiterle in den 1970er und 19080er sowie in den Jahren 1996 und 1997 durch.

Seinen Namen leitet das Tor von der Straße nach Magnesia am Mäander ab, die von dem Tor aus die ionischen Städte Ephesos und Magnesia miteinander verbindet. Die Identifizierung des aus schriftlichen Quellen bekannten Monuments gelang bereits John Turtle Wood, der es 1869 entdeckte und teilweise freilegte.
Bei dem Magnesischen Tor handelt es sich um ein Axialtor mit einem - ursprünglich nach vorn offenem - Torhof, der von zwei rechteckigen Türmen flankiert wird. Damit steht es in der Tradition hellenistischer Hoftore, wie sie beispielsweise aus Iasos, Halikarnass oder Assos bekannt sind (McNicoll 1997). Von der ursprünglichen Architektur sind allerdings nur noch wenige Reste erhalten. Die Wiederverwendung unterschiedlicher Werksteine und Quader in der Torarchitektur weist jedenfalls auf eine sehr komplexe Baugeschichte hin, die im Einzelnen zu klären sein wird.
Als Maueröffnung stellt ein Stadttor immer den Schwachpunkt einer Befestigungsanlage dar, weshalb der Schutz des Einganges Priorität genießt: Flankierende Türme und gut bewachte Torhöfe zählen spätestens seit klassischer Zeit zur Standardausstattung großer Toranlagen. Stadttore müssen darüber hinaus noch andere Aufgaben erfüllen: Sie sind repräsentative Bauwerke und vermitteln einen ersten Eindruck einer Stadt, weshalb sie auch ästhetischen Ansprüchen gerecht werden müssen. Zudem werden an Stadttoren der einmündende und der ausgehende Verkehr organisiert, eingehende Waren kontrolliert und möglicherweise auch Lasttiere versorgt. Diese logistischen Anforderungen haben sich zumeist in Einrichtungen niedergeschlagen, die nicht zur Torarchitektur selbst gehören, aber als integrative Bestandteile der Torhöfe und Vorplätze zu dem Gesamtkonzept 'Stadttor' gezählt werden müssen.

Zentrale Aufgaben der neuen Untersuchungen an dem Magnesischen Tor umfassen daher folgende Punkte:
.) Dokumentation des Baubefundes und Analyse der einzelnen Bau- und Nutzungsphasen; Grabungen an neuralgischen Punkten
.) Rekonstruktion der Toranlage
.) Analyse der Einbindung der Torarchitektur in das unmittelbare Umfeld
.) Bestimmung der Funktionen des Tores; Transformationsprozesse im Torbereich
.) Bedeutung des Tores für die Stadt Ephesos als Transitionspunkt zwischen Stadt und Land
.) Einbettung des Tores in die Architekturlandschaft des hellenistisch-römischen Kleinasien

Bildunterschriften
Abb. 1: Stadtplan von Ephesos (C. Kurtze © ÖAI; Bearbeitung A. Sokolicek)
Abb. 2: Das Magnesische Tor von Südosten (© ÖAI; Photo A. Sokolicek)
Abb. 3: Nordseite des Südturms (© ÖAI; Photo A. Sokolicek)
Abb. 4: Mittlerer Durchgang mit Geleisespuren (© ÖAI; Photo A. Sokolicek)
Abb. 5: Screenshot der 3-D-Laserscan-Aufnahme des Magnesischen Tores; Blick von oben nach Südwesten (© TUW-ILScan/TU Wien - SRF, R. Kalasek)

Literatur:
A. McNicoll, Hellenistic Fortifications from the Aegean to the Euphrates (Oxford 1997).
J. T. Wood, Discoveries at Ephesus (London 1877) 79-80. 111-120.
G. Seiterle, Das Hauptstadttor von Ephesos, AntK 25, 1982, 145-149.
G. M. Rogers, The Sacred Identity of Ephesos (London - New York 1991) 85-89. 155. 163.
G. Seiterle, Grabungen 1996, ÖJh 66, 1997, 23.
G. Seiterle, Grabungen 1997, ÖJh 67, 1998, 29-30.
P. Scherrer, Hellenistische und römische Stadttore in Kleinasien unter besonderer Berücksichtigung von Ephesos, in: Th. G. Schattner - F. Valdés (Hrsg.), Stadttore - Bautyp und Kunstform. Puertas de ciudad, tipo arquitectónico y forma artística, Acts of the Symposium in Toledo 2003, IbArch 8 (Madrid 2007) 63-78.

Kontakt:
Alexander Sokolicek


Februar 2008