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EPIGRAPHIK IN EPHESOS

Steininschriften

Im Zuge der österreichischen Ausgrabungen von Ephesos wurden bisher über 3.500 Inschriften gefunden. Diejenigen, die eine Aussage über ihren Inhalt zulassen, wurden im 'Repertorium' (Inschriften griechischer Städte Kleinasiens Bd. 11-17) sowie in der bisher 13 Folgen umfassenden Reihe "Neue Inschriften aus Ephesos" im Rahmen der Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien weitgehend vollständig ediert. Die Inschriftensteine selbst sind, soweit noch vorhanden, einerseits im Grabungsgelände aufgestellt, andererseits im Inschriftendepot in der Terrasse des Domitianstempels untergebracht; einige Stücke wurden auch in das Museum Selçuk transportiert.

Graffiti aus den Hanghäusern von Ephesos

In den Jahren zwischen 1960 und 1985 gruben österreichische Archäologen in Ephesos die sog. Hanghäuser aus. Die Wände dieser luxuriös ausgestatteten Wohnungen waren zum großen Teil von Fresken bedeckt, auf welchen sich mehr als 600 Graffiti (Ritzinschriften und -zeichnungen) erhalten haben. Ihr Inhalt reicht von einfachen Schreibübungen bis zu Epigrammen, die reiche Wohltäter preisen, von bloßen Eigennamen zu Quittungen von Handwerkern, von Gedenkinschriften für Freunde bis zu erotischen Buchstabenrätseln.
Der interessanteste Komplex besteht aus 30 Listen, welche Ausgaben des täglichen Bedarfs (z. B. Nahrungsmittel, Heiz-, Beleuchtungs- und Waschartikel, Eintrittsgeld für öffentliche Bäder) mit dem aufgewendeten Betrag in Silberdenaren und lokalen Bronzeprägungen, Assaria, anführen. Diese Listen sind nicht nur aus sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Sicht (etwa bezüglich der Ernährungsgewohnheiten der provinzialen Oberschicht oder des Umrechnungsverhältnisses zwischen Silber- und Bronzewährung) von Interesse; das Erscheinen von Assaria (welche nur bis ca. 260 n.Chr. geprägt wurden) erlaubt es zudem, die bisher zumeist in das 5. Jh. gesetzten Fresken, mit allen Konsequenzen für die Geschichte der nachpompeiianischen Wandmalerei, neu zu datieren.

Graffiti aus der Paulusgrotte

Bei der systematischen Untersuchung einer als christlicher Kultraum ausgestalteten Höhle am Berghang des Bülbüldag fanden sich auf den teilweise bereits freigelegten Fresken über hundert Graffiti und Aufschriften etwa aus der Zeit zwischen dem 5. und dem frühen 20. Jh. Meist handelt es sich um Anrufungen, vor allem des Apostels Paulus, aber auch Gott, Christus, Maria und andere Heilige werden genannt. Die auf Plastikfolie gezeichneten Schriftzüge werden derzeit eingescannt und damit zur Bearbeitung und Publikation vorbereitet.

Bildunterschriften
Abb. 1: Hanghaus 2, Ritzzeichnung (Photo: N. Zimmermann)
Abb. 2: Hanghaus 2, Graffito (Photo: H. Taeuber)

Literatur:
Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien 11.1 - 17.4 (Bonn 1979-1984).
"Neue Inschriften aus Ephesos" in den ÖJh.
H. Taeuber, Graffiti als Hilfsmittel zur Datierung der Wandmalereien in Hanghaus 2, in: P. Scherrer - H. Taeuber - H. Thür (Hrsg.), Steine und Wege. Festschrift Dieter Knibbe, SoSchrÖAI 32 (1999) 153-161.
H. Taeuber, Die Inschriften, in: M. Steskal u. a., Die Damianosstoa in Ephesos. Bericht über die Ausgrabung 2002 im Abschnitt Kathodos III, ÖJh 72, 2003, 263-269.
H. Taeuber, Graffiti und Dipinti, in: H. Thür (Hrsg.), Hanghaus 2 in Ephesos. Die Wohneinheit 4. Baubefund, Ausstattung, Funde, FiE VIII 6 (2005) 132-143.
H. Taeuber, C. Vibius Salutaris - Wohnungsbesitzer im Hanghaus 2?, in: B. Brandt - V. Gassner - S. Ladstätter (Hrsg.), Synergia. Festschrift Friedrich Krinzinger I (2005) 349-353.
H. Taeuber, Graffiti auf Keramik klassischer Zeit aus den Grabungen in der Tetragonos Agora, in: P. Scherrer - E. Trinkl, Die Tetragonos Agora in Ephesos. Grabungsergebnisse von archaischer bis in byzantinische Zeit - ein Überblick. Befunde und Funde klassischer Zeit, FiE XIII 2 (2006) 251 f.

Kontakt:
Hans Taeuber
Institut für Alte Geschichte, Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik
A-1010 Wien, Dr. Karl Lueger-Ring 1


Juni 2007