DER PRUNKBRUNNEN DES C. LAECANIUS BASSUS
Ziel dieses 2003-2005 vom FWF geförderten Projekts (P 16591-G02; Projektleitung M. Aurenhammer) war die umfassende Erforschung des an der Kreuzung Domitians- und Südgasse gelegenen, durch eine Ehreninschrift für den Statthalter C. Laecanius Bassus in das Jahr 79 n. Chr. datierten, prunkvollen Nutzbaus.

Das Bauwerk wurde in den 60er Jahren des 20. Jhs. von G. Langmann ausgegraben, E. Fossel präsentierte einen ersten Rekonstruktionsvorschlag, R. Fleischer stellte die wichtigsten Skulpturenfunde vor. In den 80er Jahren setzten M. Aurenhammer (Skulptur) und K. Jung (Architektur) die Bearbeitung fort. Das neue Projekt diente der abschließenden Publikationsvorbereitung, fußend auf den Vorarbeiten und den zahlreichen Erwähnungen des Baus und seiner Ausstattung in der Sekundärliteratur. Gezielte Nachgrabungen sollten eine Klärung der Chronologie und der Wassertechnik erbringen. Die Arbeiten wurden in einem interdisziplinären Team von Bauforscher (K. Jung), Archäolog(inn)en (M. Hofbauer und M. Koller [†] [Nachgrabungen] sowie M. Gessl [Keramik]; E. Rathmayr [Skulptur]; G. Plattner [Architekturornamentik, Kunsthistorisches Museum Wien]), Numismatiker (M. Pfisterer [Numismatische Kommission der ÖAW]) und Epigraphiker (H. Taeuber [Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien]) durchgeführt. Die Arbeit im Team erbrachte wichtige Ergebnisse zur Planung und Ausführung des Baus, zur Chronologie und dem Nutzungszeitraum sowie zur Wassertechnik.
Der Brunnen ist in chronologischer und gestalterischer Hinsicht ein
Pionierbau im Typus des 'Fassadennymphaeums' und von innovativer Grundhaltung geprägt. Die zu einem Großteil erhaltene Architektur (30%) und Skulptur (80%) ermöglichte eine fundierte Rekonstruktion der drei um das große Wasserbecken angeordneten Fassaden und ihrer Ausstattung.
Der Skulpturenschmuck gehört fast ausschließlich der Erbauungszeit an und war bis in die christliche Spätantike sichtbar (belegt durch die abgemeißelten Genitalien an den männlichen Statuen). Das Statuenprogramm der Hauptfassade konnte rekonstruiert werden: Sechs Statuen dienten als Wasserspeier. Ein hoher Sockel am Nordwestende des Schöpfbeckens trug einst die Statue des Bassus.
Einen besonderen Fortschritt für die Wissenschaft verspricht auch die Studie zur vielgestaltigen, experimentell eingesetzten Ornamentik, die den gesamten Bau überzieht.
Bildunterschriften
Abb. 1: Ruine des C. Laecanius Bassus-Brunnens von Westen (Zustand 2004) (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 2: Tritontorso vom Brunnen des C. Laecanius Bassus (© ÖAI, Photo N. Gail)
Literatur (Auswahl):
E. Fossel - G. Langmann, Nymphaeum des C. Laekanius Bassus, ÖJh 50, 1972-75, Grabungen 301 ff.
R. Fleischer, Skulpturen aus dem Nymphaeum des C. Laecanius Bassus, ÖJh 50, 1972-75, Grabungen 421 ff.
C. Dorl-Klingenschmid, Prunkbrunnen in kleinasiatischen Städten. Studien zur antiken Stadt 7 (2001) 186 f. Nr. 24 und S. 19. 51. 53 f. 80. 94. 102. 104 mit weiterer Lit.
K. Jung, Das Hydrekdochion des C. Laecanius Bassus in Ephesos, in: G. Wiplinger (Hrsg.), Cura Aquarum in Ephesos. Proceedings of the 12th International Congress on the History of Water Management and Hydraulic Engineering in the Mediterranean Region, Suppl. 12. BABesch = SoSchrÖAI 42 (2006) 79-86.
E. Rathmayr, Die Skulpturenausstattung des C. Laecanius Bassus Nymphaeum in Ephesos, Forum Archaeologiae 48/IX/2008 (http://farch.net).
Kontakt:
Maria Aurenhammer
Mitarbeiter/innen:
Manuela-Monika Gessl
>Martin Hofbauer
Klaus Jung
Matthias Pfisterer
Georg Plattner
Elisabeth Rathmayr
Hans Taeuber
Dezember 2008