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ZUR AYASOLUK-FORSCHUNG
Schon im ersten Band der "Forschungen in Ephesos" hat George Niemann in Ayasoluk die bedeutendsten Baureste aus der Zeit des Emirates der Aydınoğulları und dem Beginn des Osmanischen Reiches, als der Ort in seiner kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Stellung im ägäischen Raum eine große, überregionale Bedeutung hatte, beschrieben und dokumentiert. Nach einigen Versuchen, an diese Tradition anzuschließen, konnten im Jahr 1998 die Arbeiten zur archäologischen und historischen Erforschung der Entwicklung des Siedlungsraumes von Ayasoluk wieder aufgenommen werden. Im Rahmen dieses Projektes wird die bisher wenig erschlossene Geschichte der Region seit der Entstehung des Emirates am Beginn des 14. Jhs. erforscht. Damals war Ayasoluk neben der Nachbarstadt Balat (Milet) eines der wichtigsten Handelszentren im ägäischen Raum, der Hafen ein blühendes Zentrum für den Export nach Europa. Als wichtigste Handelsgüter sind Getreide, Sklaven, Rinder und Pferde, Hanf, Wachs und Alaun überliefert. Die Handelsbeziehungen - besonders mit Venedig und Genua - wurden durch die Einräumung weitreichender Privilegien (Handelsfreiheit, Besitz von Grund und Boden, Einrichtung von Konsulaten und Bau von Kirchen) erleichtert, welche auch im Osmanischen Reich erneuert wurden. Erst im 17. Jh. erlangten schließlich die Häfen von Kuşadası und Izmir eine neue Bedeutung und stellten Ayasoluk in den Schatten. Als wichtige Quellen für die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte stehen uns osmanische Steuerregister, Texte von Geschichtsschreibern, Stiftungsurkunden, Reiseberichte und Verträge zur Verfügung.

Im Rahmen der topographischen Forschungen wurden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturgeschichte der Antike an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf Grundlage des Katasterplanes von Selçuk alle historischen Bauten der Stadt in einem Baualterplan neu kartiert und damit eine chronologische Einordnung der einzelnen Monumente versucht, die zurzeit - ohne die vollständige Auswertung schriftlicher und archäologischer Quellen - noch vorläufigen Charakter hat. Im Zuge dieser Arbeiten wurden in der Altstadt von Selçuk und im heute unbebauten Umland eine ganze Reihe von teilweise schlecht erhaltenen Monumenten erstmals dokumentiert. So ergeben sich interessante Grundlagen zur historischen Topographie von Ayasoluk, welche für die Untersuchung von Einzelmonumenten genauso wichtig sind wie für allgemeine städtebauliche Aussagen. Nach einem Protokoll vom September 2000 mit der Generaldirektion der Stiftungen, die Eigentümer dieser Bauten ist, wurde die Grundlage für weitere archäologische Forschungen an diesen Monumenten geschaffen. Zur Topographie und Baugeschichte kommen die Zeugnisse der Sachkultur (Keramik, Glas, Gerätschaften, Münzen etc.) der islamischen Periode, soweit sie aus den Grabungen der letzten Jahrzehnte geborgen wurden, und andere Quellen, unter denen die Grabsteine einen besonderen Stellenwert einnehmen. Es wurden ca. 400 Objekte aus dem Museum, aus dem Hof der Isa Bey Cami und anderen Orten der nächsten Umgebung katalogisiert und dokumentiert.
Isa Bey Hamamı (Hamam II)
Das sog. Isa Bey Hamamı (Abb. 2. 3) ist eines der besterhaltenen Bäder aus dieser Zeit, allerdings sind bisher weder sein Name noch seine genaue Datierung belegt. Eine im Depot des Efes Müzesi aufbewahrte Inschrift, datiert mit 766//1364, berichtet von einem Hamam, welches unter Isa Bey errichtet wurde. Da der Fundort aber im Garten eines Hauses liegt, ist ein Zusammenhang mit diesem Hamam in keiner Weise bewiesen.
 
Der Zugang erfolgte von Norden. Die Vorhalle (Abb. 4) mit aufwendiger Marmorpflasterung aus Spolien, einem Springbrunnen im Zentrum und vier Säulen - zwei davon wurden im Rahmen des Vorprojektes wiedererrichtet - als Stützsystem, kann als Ruhe- und Umkleideraum (soyunmalık) angesprochen werden, dessen Aufbau und Innenausstattung nicht erhalten sind. Der anschließende Zentralbau hat den klassischen kreuzförmigen Grundriss mit vier Sonderbaderäumen (halvet) und vier 'eyvan'. Von seiner ursprünglichen prachtvollen Ausstattung blieb außer dem stuckierten Wandschmuck, teilweise mit farbiger Bemalung, kaum etwas erhalten. Von insgesamt zehn Kuppeln mit teilweise sehr hochwertigen Stalaktitenverzierungen sind nur mehr fünf geschlossen erhalten, die Hauptkuppel über dem Warmluftraum (ılıklık) ist zu zwei Dritteln eingestürzt. Durch die zahlreichen Fragmente von Glasscherben, die von den Lichtöffnungen in den Kuppeln stammen, konnte festgestellt werden, dass diese farbig gestaltet waren. Man begegnet unter den Farben verschiedenen Tönungen von Gelb, Grün, Blau und Rot, dazwischen gab es wohl auch transparente Gläser.
Die Wasseraufbereitung erfolgte im Süden, wo das Präfurnium und das eingewölbte Warmwasserbecken noch erhalten sind. Im Osten des Bades sind eine Reihe von Räumlichkeiten freigelegt worden, die auf eine schmale Straße orientiert sind und als Läden interpretiert werden können.
Besondere Bedeutung bekam die Fundamentgrabung für eine Stützmauer im Osten, in R 34, wo durch glücklichen Zufall ein Münzschatz mit 936 Silbermünzen zutage kam. Dieser Münzschatz (Abb. 5) umfasst ausschließlich Prägungen des Isa Bey, mit Ausnahme von sechs Stück, die den Stempel des Ahmed Gazi, Herrscher aus der Dynastie der Menteşeoğulları tragen. Die Münzen waren in einem geschlossenen, keramischen Gefäß aufbewahrt, dessen Inneres ursprünglich nur durch einen vor dem Brand angebrachten Schlitz zugänglich war.
Das Bad wurde im Westen um einen Zubau für Frauen erweitert, dessen Zugang - entsprechend islamischer Tradition - von einer Seitengasse erfolgte. Dies führte zu teilweisen Veränderungen in der Haustechnik und der Baustruktur, die in der Folge statische Probleme auslösten.
An der Westseite des Gebäudes wurden schon im Laufe der Grabungen des Vorprojektes und auch von uns eine Reihe von menschlichen Bestattungen freigelegt, die in die Mauerkronen und Wasserleitungen eingetieft und daher eindeutig nach der Aufgabe des Badebetriebes und nach der Zerstörung des Bauwerks angelegt worden waren. Der chronologische Hinweis für diese Bestattungen ist durch Münzen Murads II. (1421-1451) gegeben.
Die Keramikfunde (Abb. 6) weisen ein breites Spektrum auf, wobei die jüngste Datierung mit Ausnahme weniger Stücke auch in das 15. Jh. zu setzen ist. Neben vielfältiger Lokalproduktion unglasierter und glasierter Keramik von teilweise sehr hoher Qualität begegnen wir zahlreicher Importware von China bis Spanien sowie lokalen Imitationen.
Auch die Fragmente von Armreifen aus Glas bestätigen die Beziehungen zum östlichen Mittelmeerraum, während Trinkbecher und andere Gefäßfragmente als Bestätigung für die Kontakte nach Europa, insbesondere nach Italien gelten können.
Hamam III (Abb. 7)
Als zweites Monument wurde ein weiterer Badekomplex in unser Arbeitsprogramm aufgenommen, der westlich der Isa Bey Cami in der landwirtschaftlich genutzten Ebene liegt. Diese Ruine, die vor wenigen Jahren noch als Stall diente, konnte in einer ersten Maßnahme vom schädlichen Baumbestand befreit, gereinigt und durch einen Zaun vor weiterem Vandalismus geschützt werden. In der Grundrissgestaltung und durch die Ausstattung unterscheidet sich dieses Bauwerk eindeutig vom Isa Bey Hamamı. Der Erhaltungszustand ist bedauerlicherweise sehr schlecht. Auch von den Kuppeln und anderen Dächern ist außer Ansätzen nichts erhalten geblieben.
Der Eingang erfolgte von Osten. Durch die archäologischen Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass der Ruhe- und Umkleideraum (soyunmalık), von dem der Marmorboden und wenige Mauerreste angetroffen wurden, sich im Osten befand.
Heute kommt man direkt in den Durchgangsraum. Von der Kuppel des Warmluftraumes (ılıklık) sind noch Ansätze erhalten, die mit mukarnas geschmückt war. Zwei kleine Räume im Westen dieses Raumes dürften die Funktion von Körperpflegeräumen bzw. Toiletten gehabt haben. Der zentrale Raum, der die gesamte Breite des Gebäudes einnimmt, ist der Heißbaderaum (sıcaklık) und war mit wunderschönen mukarnas in kleinen Nischen ausgestattet. Die erhaltenen Bogenansätze dieses Raumes lassen für die Überwölbung den Schluss zu, dass der Zentralbereich eine hohe Kuppel trug und über den beiden Schmalseiten Halbkuppeln angebracht waren. Anschließend im südlichen Bereich befinden sich zwei weitere Räume, die ursprünglich ebenfalls mit Kuppeln ausgestattet waren. Sie sind als Sonderbaderäume (halvet) zu bezeichnen. Das Warmwasserdepot ist mit einer Tonne überwölbt und nimmt die gesamte Breite der Südseite des Gebäudes ein. Das Präfurnium liegt in der Mittelachse des Gebäudes. Zwei spitzeckige Mauerverstärkungen beiderseits des Präfurniums sind wohl als Stützkonstruktion gegen den Wasserdruck zu verstehen. An der Westseite ist nachträglich ein weiteres Wasserdepot angelegt worden, dessen Wände in der gleichen Technik verstärkt wurden. Zwischen beiden Depots im südwestlichen Bereich wurde 2005 ein Schachtbrunnen ausgegraben, in welchem neben Keramik und Münzen noch Menschen- und Tierknochen angetroffen wurden. Neben einzelnen Knochen verschiedener Tiere handelt es sich um nahezu vollständige Skelette zweier menschlicher Individuen, eines Pferdes und eines Hundes, die offensichtlich gemeinsam im Brunnen deponiert worden waren.
Auf der Nordseite der Badeanlage sind nachträglich zwei Räume angebaut worden, welche wahrscheinlich als Frauenhamam dienten.
Während der Kampagne 2006 wurde im Osten des Gebäudes, unter dem Marmorboden des Ruhe- und Umkleideraumes, ein Keramikofen mit Produktionsmaterial (Abb. 8) angetroffen, der ohne Zweifel zur Vorbebauung gehört und im Zuge der Bauarbeiten des Hamams zerstört wurde. Der erhaltene Teil lag jedoch noch in situ und ist ein wichtiger Beleg für die lokale Keramikproduktion in Ayasoluk.
Hamam IV (Abb. 9)
Dieses kleinere Bad liegt etwa 200 m nördlich der Isa Bey Moschee in einer Gartenanlage vor dem Westhang des Burghügels. Es ist noch relativ gut erhalten, die Bausubstanz wurde jedoch durch Bodensenkungen und Wassereinbrüche stark in Mitleidenschaft gezogen. Als bisher erste Maßnahme konnte der schädliche Baumbewuchs entfernt und eine erste Vermessung durchgeführt werden, eine neue Umzäunung an den Grundstücksgrenzen sicherte das Monument und hat weiteren Vandalismus gestoppt. Nach den ersten Untersuchungen des Gebäudes wurde mit der Bauaufnahme begonnen.
Bildunterschriften
Abb. 1: Ayasoluk, Luftaufnahme (© Fatma&Orhan Turgut - Hava Foto)
Abb. 2: Isa Bey Hamam, Luftaufnahme (© Fatma&Orhan Turgut - Hava Foto)
Abb. 3: Isa Bey Hamam, Grundriss (© ÖAI)
Abb. 4: Isa Bey Hamam, Vorhalle (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 5: Isa Bey Hamam, Münzschatz (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 6: Isa Bey Hamam, Keramik (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 7: Hamam III, Luftaufnahme (© Fatma&Orhan Turgut - Hava Foto)
Abb. 8: Hamam III, Keramikproduktion (© ÖAI, Photo N. Gail)
Abb. 9: Hamam IV, Luftaufnahme (© Fatma&Orhan Turgut - Hava Foto)
Kontakt:
Sabine Ladstätter
Mitarbeiter/innen:
Şule Pfeiffer-Taş (Gesamtbefund, osmanische Schriftquellen und Inschriften, Münzen, Keramik)
Alfons Krickl (Bauforschung)
Petra Turnovsky (Glas)
Elisabeth Rathmayr (Metallfunde)
Johanna Auinger (Spolien antiker Skulptur)
Karl Grossschmidt, Fabian Kanz (Anthropologie)
Gerhard Forstenpoitner, Alfred Galik, Gerald Weissengruber, Stefan Zohhmann (Archäozoologie)
November 2007
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